Frankfurter Allegemeine Zeitung

Blackrock beteiligt sich an deutschem Anlageroboter

Größter Vermögensverwalter der Welt will Großkunden Anlage bei Münchener Start-up Scalable Capital schmackhaft machen.

FRANKFURT, 19. Juni.

Immer mehr Anleger setzen bei der Anlageberatung auf automatische Programme aus dem Internet. Statt sich mit einem menschlichen Berater zusammenzusetzen und über ihre Anlageziele und ihr Risikoprofil zu unterhalten, beantworten sie schlicht einige Fragen am Computerbildschirm, und das Programm, der sogenannte Robo-Advisor, stellt ihnen ein passendes Portfolio zusammen, das in der Regel aus unterschiedlich ausgerichteten passiven Indexfonds (ETF) besteht. Der größte deutsche Anbieter dieser Art ist das Münchener Start-up Scalable Capital, das nun durch seinen neuen Investor noch einmal einen deutlichen Schub an neuen Kundengeldern erhalten dürfte.

Denn niemand Geringeres als der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock aus Amerika hat die Münchener nun auserwählt, um mit ihm zusammen seine Kunden - vor allem Finanzinstitute und Großunternehmen - die vollautomatisierte Geldanlage anbieten zu können. In einer Finanzierungsrunde, angeführt von Blackrock, sammelte Scalable Capital nun 30 Millionen Euro ein, womit der Vermögensverwalter einen "signifikanten Minderheitsanteil" an dem Unternehmen erhält. Patrick Olson, Chief Operating Officer für Europa von Blackrock, wird dem Beirat von Scalable Capital beitreten. Auch die Altinvestoren HV Holtzbrinck Ventures und Tengelmann Ventures haben noch einmal mitfinanziert.

"Das ist mehr als nur ein finanzielles Investment", stellt Frederik Meheus im Gespräch mit dieser Zeitung klar, der von London aus die Technologie im Privatkundengeschäft von Blackrock leitet. "Wir wollen unseren Kunden helfen, sich mit Scalable Capital auf die digitale Zukunft vorzubereiten." Denn in der automatisierten Anlageberatung liegen schließlich viele Vorteile für sie, vor allem bei den Kosten. Schon jetzt spüre Blackrock eine große Nachfrage nach einem solchen Angebot. "Viele unserer Kunden fragen uns bereits nach der Möglichkeit, die Gelder ihrer Anleger über Robo-Advisor zu investieren", sagt Meheus.

In den Vereinigten Staaten hat sich Backrock bereits an zwei Anbietern von automatisierter Anlageberatung beteiligt und dort ebenfalls dabei geholfen, große Unternehmen und Banken für die Robo-Advisor zu gewinnen. Deren Modell einfach auf Europa zu übertragen ist aber nicht so einfach, da hier in jedem Land eigene Regeln für die Anlageberatung oder auch die Besteuerung gelten. "Uns war wichtig, dass wir mit der Plattform unsere Kunden auf mehreren Märkten bedienen können, so dass sich Skaleneffekte nutzen lassen", sagt Meheus. "Bei Scalable ist das der Fall: Die sind schon aktiv in Deutschland, Großbritannien und Österreich."

Scalable Capital hat seit seiner Gründung Ende 2014 einen steilen Aufstieg hingelegt. Einige ehemalige Banker von Goldman Sachs haben das Programm gemeinsam mit dem Münchener Professor Stefan Mittnik entwickelt, innerhalb eines Jahres hatten Anleger mehr als 100 Millionen Euro auf der Plattform angelegt. "Um das zu verdoppeln, brauchten wir nur drei Monate", sagt Erik Podzuweit, einer der Gründer, stolz. Inzwischen haben ihm zufolge 6000 Anleger 250 Millionen Euro angelegt. Zuletzt sorgte eine Kooperation mit Siemens für Aufsehen, mit der die Mitarbeiter des Konzerns ihre Altersvorsorge über die Plattform organisieren können.

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Mit dem neuen Investor im Rücken wachsen die Zukunftsperspektiven in den Himmel: "Zusammen mit Blackrock wollen wir jetzt große Finanzinstitute und andere Großunternehmen für uns gewinnen. Da ist es nicht unrealistisch, dass wir bald mehrere Milliarden Euro über unsere Plattformen verwalten."

Die Konkurrenz ist allerdings groß. Anbieter wie Liqid sammeln ebenfalls fleißig Anlegergelder ein. Einige Banken und Vermögensverwalter kommen mit eigenen Angeboten auf den Markt wie etwa die Commerzbank-Tochtergesellschaft Comdirect oder die unabhängige Fondsgesellschaft DJE Kapital. Die Fondsgesellschaft Union Investment bietet den Volksbanken ab Juli den Robo-Berater "Meininvest" an. Doch Podzuweit ist sich sicher: "Wir sind jetzt der am besten finanzierte Robo-Advisor in Deutschland." Und überhaupt: "Unser größter Wettbewerber ist der alte Weg, Geld anzulegen. In Deutschland liegen Milliarden von Euro ungenutzt auf Konten. Davon wollen wir viele gewinnen."

Für Blackrock liegt der Einstieg bei Scalable noch aus einem anderen Grund nahe. Für ETF-Portfolios, die er den Anlegern empfiehlt, greift der Robo-Advisor oft zu denen der Blackrock-Tochtergesellschaft iShares - dem Weltmarktführer von ETF. Beiden Partnern ist aber wichtig zu betonen, dass mit dem Investment keine Produktpartnerschaft zusammenhängt. Scalable habe keinerlei Vorgaben, nun eine bestimmte Zahl von iShares-ETF zu vertreiben. Im Gegenteil: "Uns ist wichtig, dass Scalable eine offene Plattform bleibt", sagt Meheus.

Die 30 Millionen Euro will Scalable vor allem dazu verwenden, neue Mitarbeiter einzustellen, insbesondere Techniker. Außerdem wollen sie die Expansion in weitere Märkte vorantreiben, wie die Schweiz, Italien, Spanien und die Benelux-Staaten, und das Risikomanagement ausbauen. "Uns ist aber auch wichtig, Geld zurückzulegen für den nächsten Sturm am Finanzmarkt. Um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, muss man glaubhaft machen, dass man auch in zehn Jahren noch am Markt ist."

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