Vermögensverwalter KSW kooperiert mit Fintech

FAZ, 8. April 2016.

Wenn Vermögensverwalter auf ihre neuen digitalen Konkurrenten zu sprechen kommen, dann meist mit Argwohn oder Furcht. Die einen sehen die menschliche Beratung den sogenannten Robo-Advisorn, die ihren Nutzern nach der Beantwortung weniger Fragen ein ETF-Portfolio zusammenstellen, haushoch überlegen. Die anderen fürchten, dass die sehr viel billigeren Computerhirne sie bald überflüssig machen könnten.
Die KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg wagt nun einen außergewöhnlichen Schritt und kooperiert mit dem Münchner Robo-Advisor Scalable Capital. Das junge Unternehmen verspricht seinen Kunden mit einem Anlagevermögen von mindestens 10 000 Euro, ihr einmal zugeschnittenes Portfolio regelmäßig automatisch den Marktbegebenheiten anzupassen. Bei KSW, deren 700 Kunden größtenteils aus der Region Nürnberg kommen, geht die persönliche Betreuung erst ab 750 000 Euro los.

„Wenn man für 30 000 Euro aktiv ein Vermögen verwalten will, belasten die Spesen die möglichen Renditen zu sehr“, sagt KSW-Gründer und Vorstand Udo Schindler im Gespräch mit dieser Zeitung. Mit der Kooperation will der klassische Vermögensverwalter nun auch Kunden mit weniger Geld ansprechen – in der Hoffnung, dass daraus schließlich über die Jahre ein Vermögen heranwachsen kann.

Als Beispiel nennt Schindler die Kinder bestehender Kunden, die vielleicht während des Studiums mit übersichtlichen Beträgen anfangen wollen, sich ein Vermögen anzusparen. Aber auch die Bestandskunden selbst können einen Teil ihres Vermögens auf die technische Plattform übertragen.

„Die Kunden sind neugierig“, sagt Schindler. Die Kooperation soll also auch verhindern, dass die Kunden einfach selbst zur digitalen Konkurrenz wechseln. „Wir wollen unseren Kunden diese moderne Dienstleistung anbieten, ohne den persönlichen Kontakt zu ihnen zu verlieren.“ Dass die menschlichen Berater die zentralen Ansprechpartner für die Kunden bleiben, ist der KSW dabei wichtig. „Auch wenn der Kunde sein Geld bei Scalable Capital anlegt, kann unser Berater ihm noch in schwierigen Marktlagen zur Seite stehen“, betont Schindler. Er sieht in der Branche gerade zu viel Schwarz-Weiß-Denken und geht davon aus, dass die Robo-Advisor zwar für Kunden mit kleineren Vermögen eine gute Alternative sind, aber die klassische Vermögensverwaltung sich zumindest noch in den nächsten Jahren gut daneben behaupten werde.

Auch Erik Podzuweit, Mitgründer und einer der Vorstandsvorsitzenden von Scalable Capital, sieht sein Unternehmen weniger als Konkurrenz für Vermögensverwalter, sondern für die Bankberater – „die sind letztlich nur Produktverkäufer“. Er führe im Moment eine Menge Gespräche mit klassischen Vermögensverwaltern. „KSW sind die Ersten, die den Mut haben zu sagen: Okay, das biete ich jetzt wirklich meinen Kunden an.“ Viele hätten Angst, dass sie dann bald nicht mehr der erste Ansprechpartner für den Kunden seien.